"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Montag, 20. Juni 2011

Montag

Es ist 8:45 Uhr. Kind und Mann sind aus dem Haus, der Hund ausgeführt, die E-Mails gelesen und bearbeitet. Ein Protokoll, meine Reisekostenabrechnung und kleinerer Papierkram sind auch erledigt. Vor neun brauche ich nicht zum Telefon zu greifen, da klingel ich nur ins Leere.
Ein ganz normaler Montagmorgen. Die Arbeitswoche hat begonnen. Arbeit? Hmm, sagen wir, der Alltag einer ganz normalen Woche hat begonnen. Ich bin Freiberuflerin. Hört sich zumindest gut an. Aber vielleicht bin ich auch eine Hausfrau mit drei Jobs, diversen Hobbies, vielen Interessen und einem kleinen Freundeskreis der gepflegt werden will. Genau so wie die Familie, der Garten und das Haus auch ein wenig Pflege erhalten möchten.
Laut neusten Erhebungen wählen immer mehr Menschen den Weg der freiberuflichen Arbeit. Die Einen weil sie die Freiheit lieben zu arbeiten bei freier Zeiteinteilung, ohne Chef im Nacken. Wobei jeder Auftraggeber ein kleiner Chef ist dem man dient und eine freie Zeiteinteilung nur bei niedriger Auftragslage möglich ist. Die Anderen weil sie keine Wahl haben, evtl. nicht in ihrem alten Beruf arbeiten können oder aufgrund ihres Alters keine feste Anstellung mehr bekommen. Gründe gibt es viele.
Nun, meine Auftragslage in dieser Woche ist mäßig, inklusive Feier- und Brückentag am Donnerstag und Freitag steht sie wohl eher unter dem Motto „frei“, statt „beruf“ und trotzdem wird auch diese Woche wie im Flug vergehen und ich mich fragen: Was hast du eigentlich die ganze Zeit gemacht?

Vor zehn Jahren war die Lage klar. Aufstehen, Frühstücken, stylen und zur Arbeit gehen in ein Büro mit festen Arbeitszeiten und Kollegen. Kalender aufschlagen, E-Mails beantworten, Telefonate führen und von einem Meeting ins nächste rennen. Sollte tatsächlich mal ein Leerlauf eintreten, stand entweder ein Chef oder ein Kollege am Schreibtisch, oder das Telefon klingelte. Leerlauf beendet. Fragen wie: Was mache ich als nächstes?, Was hat Priorität?, Wozu habe ich Lust?, stellten sich nicht. Morgens rein ins Hamsterrad und abends wieder raus. Fertig. Der Tag hatte eine feste Struktur. Und auch die Frage am Ende des Tages: Was habe ich heute eigentlich gemacht?, kam nicht auf. War ja klar. Ich war arbeiten. Auch wenn der Arbeitstag nicht immer produktiv war, wertvolle Zeit in endlosen Meetings versandete, auf Dienstreisen verpuffte, oder sich am internen Wahnsinn einer Firma wund lief.

So, was mache ich denn jetzt?
Jetzt sind wohl auch die Herrschaften von der Wohnungsbaugesellschaft wach und munter, ebenso wie mein Steuerberater und eine meiner Chefinnen, dann werde ich jetzt mal telefonieren. Danach erwartet mich ein netter Zahnarzttermin. Zur Belohnung treffe ich mich mit einer lieben Freundin beim Sushi-Man zum Mittagessen. Ist ja nur, weil ich keine Kantine habe und essen muss der Mensch ja, gell. Aber danach geht es ja noch weiter: Kind, Hund und neue Homepage gestalten, eine Liste von Schülern anrufen, Termine absprechen und im nu ist der Tag vorbei. Falls mir heute Abend wieder nicht einfallen will was ich heute den ganzen Tag gemacht habe, kann ich das ab jetzt in meinem Blog nachlesen.

Bis morgen….

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