
Lecker Halbgefrorenes in Afrika
Nun hat meine Konsumdiät auch unseren Kühlschrank erreicht. Ich mag mich nicht mehr von der Lebensmittelindustrie verarschen lassen. Die Vielfalt in unseren Supermärkten ist eine Illusion. Wir bekommen vorgesetzt, was die großen Lebensmittelkonzerne verkaufen wollen und das sind vielfach billigste Substanzen schön dargeboten. Nehmen wir doch mal einen beliebigen Schokoriegel einer bekannten Marke. Natürlich ist der lecker und manchmal glauben wir sogar ein gutes Produkt zu essen, mit „viel natürlicher Milch“ und „vielen natürlichen Zutaten“. Hhhm, ihr ahnt es schon, zusammengerührt sind diese kleinen Leckereien aus Mais, Weizen oder Reis als Grundsubstanz, das sind Weltweit die billigsten Getreidesorten, schnellwachsend und enorm profitabel, Schokolade aus billigstem Kakao, jede Menge Zucker (ebenfalls eine billig Zutat), der Rest sind Zusatzstoffe, Bindemittel, Haltbarmacher und Aromastoffe, damit wir den Dreck auch essen.
Nein nein, ich bin nicht gegen Süßigkeiten. Wer Süßes liebt weiß wie wunderbar eine handgemachte Praline auf der Zunge zergeht und welchen wunderbaren Schmelz ein Stück gute Schokolade am Gaumen hinterlässt. Ich möchte hier mein Beispiel noch etwas genauer erläutern. Einige Schokoladenhersteller sind bereits dazu übergegangen Kakao aus biologischem- bzw. fairen Anbau zu verwenden, obwohl diese Produkte teurer sind. Warum? Die herkömmlichen Kakao-Plantagen wurden über Jahrzehnte derart ausgebeutet was bedeutet: veralterte Maschinen, durch Überzüchtung nährstoffarme Böden und nicht zuletzt ausgebeutete, völlig verarmte und kraftlose Arbeiter, dass die Kakaobohnen mittlerweile von derart minderer Qualität sind, die man für hochwertige Produkte nicht mehr verwenden kann. Für den herkömmlichen Mars-Snicker-Duplo-Bounty-Kram reicht es aber allemal und garantiert satte Profite.
Noch ein schönes Beispiel. In jedem großen Supermarkt gibt es um die fünfzig Frühstückscerialien zur Auswahl. Das schöne daran ist, sie sehen alle unterschiedlich aus und es ist überall fast das Selbe drin: Weizen- oder Maismehl, Zucker, Glucosesirup, Farbstoffe und Aromen. Wer das mag soll es essen, aber er/sie sollte sich von dem Gedanken verabschieden gesundes Getreide zu sich zu nehmen.
So, nun genug gemeckert. Wer einmal auf leichte, unterhaltsame Weise verstehen möchte wie der Hunger in der Dritten Welt entsteht und was wir dagegen unternehmen können, dem empfehle ich das super spannende Buch von Tanja Busse: Die Ernährungs Diktatur. Ich habe viele Zusammenhänge erst mit diesem Buch verstanden und nicht schlecht gestaunt. Und ganz nebenbei erfährt man auch noch, warum die armen Bauern in Afrika sich ihre Mägen an unseren halbgefrorenden Geflügelresten verderben müssen.
Guten Appetit.