"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Dienstag, 20. April 2010

So ein Torf



Vor zwei Wochen fragt mein Mann: „Ich fahre zum Baumarkt, brauchst du was für den Garten?“ Meine Liste lag schon seit Tagen auf dem Küchentisch: Rosendünger, Grassamen, dies und das und natürlich Blumenerde. „Nimm die Gute, etwas teurere, die anderen taugen nichts.“ Rief ich ihm hinterher.
Nun habe ich mir schon so viele Gedanken über meinen Konsum gemacht, wenn möglich kaufe ich Bioprodukte, es sei denn ich kann gute Qualität beim Bauern um die Ecke kaufen. Wir essen Biofleisch, ich schmeiße so gut wie nie Lebensmittel in den Müll und verwende auch alle Reste, wenn irgend möglich. Ich könnte hier noch einige Beispiele nennen, aber über eines habe ich mir noch nie Gedanken gemacht: Über unsere Blumenerde. Die habe ich immer einfach so gekauft. Was für ein Fehler, wie ich gestern Abend in der Sendung „Markt“ im WDR-Fernsehen sehen musste. Hier der Link zu Sendung: http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2010/0419/02_torfabbau.jsp

"Die meisten Blumenerden bestehen zu etwa 80 Prozent aus Torf. Allein die Hobbygärtner in Deutschland verbrauchen im Jahr 2,5 Millionen Kubikmeter Torf. Doch der Torfabbau hat ungeahnte Folgen - für das Klima und die Natur."
Um Torf zu gewinnen werden blühende Moorlandschaften, mit einer wunderbaren Flora und Fauna zerstört um Torf abzubauen, der über zehntausend Jahr gewachsen ist. Was für eine grausige Vorstellung und das nur für ein paar Blümchen in Gärten und auf Balkonen. Dabei geht es auch anders.
Wie? Ganz einfach mit Kompost. Wie zu Omas Zeiten. Küchen und Gartenabfälle können kompostiert werden und dann mit Erde, Sand, Dünger zu einer guten Gartenerde vermischt werden. Solche Gartenerde wird bereits fertig gemischt angeboten. In Köln zum Beispiel hier: http://olching.blog.de/2010/03/10/awb-verkauft-blumenerde-kompost-8149983/

Beim Kauf im Bau- oder Gartenmarkt auf den Hinweis: "ohne Torf" achten. Es ist völlig überflüssig über Jahrtausende gewachsene Landschaften zu zerstören, um ein wenig Landschaft vor der Wohnzimmertür zu gestalten und letztlich geht es auch hier nur um Profit.

So, puh, es ist wirklich der Wahnsinn. Mittlerweile kann man anscheinend nichts mehr kaufen ohne sich vorher genau zu informieren. Nichtmal Gartenerde.
balba

Mittwoch, 14. April 2010

Hausgemachter Mumpitz



Oder: Wie bastel ich mir einen Bandscheibenvorfall?
Ja, man kann ihn sich tatsächlich selber machen und das ist garnicht so schwer. Natürlich sind ein paar labile Bandscheiben von Vorteil, ansonsten benötigt man lediglich einen Haufen negativer Gedanken, einen übervollen Terminkalender, ein paar Arbeitsausfälle wegen Kinderkrankheiten und als Sahnehäubchen noch eine Reihe von schlaflosen Nächten. Kurz gesagt, am besten steht man montags morgens auf, steigt wie ein Hamster auf Ektasie in sein Alltagslaufrad und rennt los, dann ist einem irgendeine schöne Krankheit bald sicher.
Meine Cousine wurde am Neujahrs Morgen wach und sah lustige, grüne Flecken. Netzhautablösung, Not-OP, drei Monate fast blind und noch weitere sechs Monate bis zur – hoffentlich vollständigen – Heilung. Ausgenockt, lahmgelegt, keine Termine, keine Autofahrten, ans Haus gebunden – RUHE.
„Erst habe ich die ganze Welt verflucht, aber im Nachhinein muss ich sagen: Ich habe die Ruhe gebraucht. Sie hat mir gut getan.“ Im Nachhinein war ich auch schlauer.

Laut meinem Wecker war es fünfuhrzehn. „Oh Gott“, dachte ich: „Muss ich immer so früh wach werden?“ Aber immerhin hatte ich sechs Stunden am Stück geschlafen, kein schlechter Schnitt im Vergleich zu den letzten Wochen. Ich ging zur Toilette und legte mich wieder hin. Augen zu, Gedanken an: „So, heute Abend noch in die Oper.“ Drehung nach links. „Ich habe keine Lust.“ Drehung nach rechts. „Einfach zu Haus bleiben und vor dem Fernseher vergammeln. Wäre das schön.“ Kissen aufschlagen, Drehung nach links. „Naja, ab Morgen sind Ferien, keine Hektik, ausschlafen, keine Termine, super. Heute Abend schaffst du noch. Ist doch zum Hochzeitstag und S. wäre traurig wenn wir das nicht feiern.“
6:30 Uhr: „Puh, bin ich doch nochmal eingeschlafen. Aber was zwickt mich denn im Nacken?“
Es zwickte nicht nur im Nacken. Schon beim Frühstück konnte ich kaum sitzen. Mit dem Hund kroch ich nur kurz übers Feld und dann war klar: Diese Schmerzen kann ich nicht ignorieren. Die Bandscheibe! S. verkaufte die Opernkarten und ich spielte Schildkrötenmikado. Auf dem Rücken liegen und nicht bewegen. Dazu nahm ich alle Schmerzstillenden Drogen die ich in unserem Arzneischrank fand. Montagmorgen quälte ich mich aus dem Bett, ging zum Arzt und zur Krankengymnastik, die Schmerzen wurden schlimmer. Nun war klar, dass auch die kleinste Ferienaktivität ohne mich stattfinden würde und Ostern die stillsten Feiertage seit langem sein würden. Die Tabletten machten mich müde (ich war sowieso schon seit Wochen müde) und benommen. Die ersten Tage döste ich viel und las zwei Bücher am Stück, als hätte ich Entzugserscheinungen. Aber am vierten Tag dämmerte mir mein Dilemma. Eins stand fest: Die Krankheit war hausgemacht. Mein Körper wollte Ruhe. Jetzt hatte er Ruhe. Nur leider auch diese schrecklich, quälenden Schmerzen. Nach fünf Tagen, eine Schmerztherapie bei einem Spezialisten hatte nicht funktioniert, schälte ich mich vom Sofa auf, legte meine Halskrause an, setzte mich an meinen Schreibtisch und zeichnete einen Entwurf für eine Handtasche. Die Schmerzen waren eklig, aber danach ging es mir besser. Mit Hilfe von viel Kortison überstand ich die Feiertage und bin jetzt, pünktlich zum Ferienende, wieder fast fit. Naja, ich will mal nicht so angeben. Gut wäre anders und ich möchte mal versuchen aus meinen Fehlern zu lernen.
Meine Übung für diese Woche: Immer alles Schritt für Schritt. Eines nach dem Anderen. Locker bleiben.
Und nächste Woche übe ich dann den Satz: Es ist mir egal was die Anderen denken.
Ich bin gespannt, ob ich diesen Satz jemals verinnerlichen kann.
Bleibt gesund
balba