
Jetzt dauert die Fastenzeit wirklich noch 40 Tage. Dem aufmerksamen Schlauberger wird nicht entgangen sein, das die Fastenzeit vom 17.2. – 03.4. geht. Das sind 46 Tage. Allerdings werden die Sonntage in der Fastenzeit ausgespart. Das erklärt sich wohl aus zwei Gründen. Zum einen ist der Sonntag der Tag des Herrn und den soll man mit einem guten Mahl preisen und ehren und zum anderen war es wohl, in Zeiten schwerer körperlicher Arbeit eine Notwendigkeit. Hatten die Bauern, Knechte, Handwerker und Tagelöhner am Ende des Winters ohnehin schon keinen üppigen Speiseplan, sollten sie sich in der Fastenzeit wenigstens an einem Tag der Woche richtig satt essen können, sofern sie die Möglichkeit dazu hatten. Diese Regelung gilt seit der Synode von Benevent (1091). Es gab aber auch die Zählweise bis Palmsonntag. Das sind dann 40 Tage incl. Sonntage. So, da wisst ihr bescheid. Nun aber genug geschlaumeiert.
Ich bin auf jeden Fall stolz auf mich. Bereits auf einer Fete am Freitag und einem Abendessen mit Freunden bei uns, am Samstag, kam ich ohne Alkohol aus. Man gewöhnt sich da ganz schon was an mit seinen zwei-drei-(in Gesellschaft vier) Gläschen Wein am Abend. Und diese blöden Süßigkeiten. Immer am Nachmittag habe ich das zwingende Bedürfnis mir etwas schokoladiges in den Mund zu stecken. Ist das denn nötig? Nein, wie ich jetzt merke. Es ist eine reine Gewohnheit. Nach vier Tagen ohne Schoki ist die Welt nachmittags auch Zuckerfrei in Ordnung.
Und dann das viele Fleisch, ohweh ohweh. Ich bin nicht der ganz große Fleischesser, aber zweimal in der Woche kommt bei uns schon Fleisch auf den Tisch, sonst denkt mein Mann er würde verhungern, egal was sonst noch so aufgetischt wird. Wurst gibt es natürlich auch. Nun habe ich in der letzten Woche gleich drei furchtbare Berichte über grausame Tierhaltung und bestialische Schlachtmethoden Gelesen. Ein Bild im aktuellen Stern, wo drei Lämmer bei der Schlachtung ihrer Artgenossen zusehen müssen, hat mich tatsächlich zum heulen gebracht. Natürlich ist es ein Luxusproblem. Menschen die kaum genug Essen zum Überleben haben interessiert es nicht wie die Tiere leben oder sterben. Mich interessiert es schon und obwohl ich hauptsächlich Biofleisch esse, bleibt es mir doch langsam im Hals stecken. Wie kann ein Mensch es ertragen in einem Schlachthaus zu arbeiten. Hat er/sie kein Herz? Stumpft man ab? Blendet man alles aus?
Ich glaube, ich werde mich langsam vom Fleischverzehr zurückziehen. Die Umstellung benötigt sicher ein wenig Zeit und meine Familie muss ja auch damit leben können. Für Mann und Kind gibt es eben Biofleisch. Gestern wagte ich ein Experiment. Es gab Boeuf Stroganoff, ohne Boeuf sozusagen. Das Fleisch wurde durch Soja Schnitzel ersetzt. Häm, nunja, ähm, nee, geht eigentlich nicht. Hat uns allen nicht geschmeckt, obwohl die Sauce war wie immer und auch die Champignons ihr Bestes gaben. Die Soja-Schnitzel schmeckten wie der Fettrand vom Kotelette. Da muss wohl doch ein vegetarisches Kochbuch her.
Also, wie ihr seht, tut sich was. Nur zum Ausmisten bin ich noch nicht gekommen, aber ich habe ja auch noch 40 Tage Zeit.
Alles Liebe
Balba
PS: Zur Zeit sitzen in Brüssel Politiker zusammen und beraten über ein Prüfsiegel für Fleisch. Hieran soll der Verbraucher sofort erkennen, ob ein Tier artgerecht gehalten wurde. Finde ich Super. Hoffentlich kommt das bald auf den Markt.

