"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Dienstag, 23. Februar 2010

40 Tage



Jetzt dauert die Fastenzeit wirklich noch 40 Tage. Dem aufmerksamen Schlauberger wird nicht entgangen sein, das die Fastenzeit vom 17.2. – 03.4. geht. Das sind 46 Tage. Allerdings werden die Sonntage in der Fastenzeit ausgespart. Das erklärt sich wohl aus zwei Gründen. Zum einen ist der Sonntag der Tag des Herrn und den soll man mit einem guten Mahl preisen und ehren und zum anderen war es wohl, in Zeiten schwerer körperlicher Arbeit eine Notwendigkeit. Hatten die Bauern, Knechte, Handwerker und Tagelöhner am Ende des Winters ohnehin schon keinen üppigen Speiseplan, sollten sie sich in der Fastenzeit wenigstens an einem Tag der Woche richtig satt essen können, sofern sie die Möglichkeit dazu hatten. Diese Regelung gilt seit der Synode von Benevent (1091). Es gab aber auch die Zählweise bis Palmsonntag. Das sind dann 40 Tage incl. Sonntage. So, da wisst ihr bescheid. Nun aber genug geschlaumeiert.
Ich bin auf jeden Fall stolz auf mich. Bereits auf einer Fete am Freitag und einem Abendessen mit Freunden bei uns, am Samstag, kam ich ohne Alkohol aus. Man gewöhnt sich da ganz schon was an mit seinen zwei-drei-(in Gesellschaft vier) Gläschen Wein am Abend. Und diese blöden Süßigkeiten. Immer am Nachmittag habe ich das zwingende Bedürfnis mir etwas schokoladiges in den Mund zu stecken. Ist das denn nötig? Nein, wie ich jetzt merke. Es ist eine reine Gewohnheit. Nach vier Tagen ohne Schoki ist die Welt nachmittags auch Zuckerfrei in Ordnung.
Und dann das viele Fleisch, ohweh ohweh. Ich bin nicht der ganz große Fleischesser, aber zweimal in der Woche kommt bei uns schon Fleisch auf den Tisch, sonst denkt mein Mann er würde verhungern, egal was sonst noch so aufgetischt wird. Wurst gibt es natürlich auch. Nun habe ich in der letzten Woche gleich drei furchtbare Berichte über grausame Tierhaltung und bestialische Schlachtmethoden Gelesen. Ein Bild im aktuellen Stern, wo drei Lämmer bei der Schlachtung ihrer Artgenossen zusehen müssen, hat mich tatsächlich zum heulen gebracht. Natürlich ist es ein Luxusproblem. Menschen die kaum genug Essen zum Überleben haben interessiert es nicht wie die Tiere leben oder sterben. Mich interessiert es schon und obwohl ich hauptsächlich Biofleisch esse, bleibt es mir doch langsam im Hals stecken. Wie kann ein Mensch es ertragen in einem Schlachthaus zu arbeiten. Hat er/sie kein Herz? Stumpft man ab? Blendet man alles aus?
Ich glaube, ich werde mich langsam vom Fleischverzehr zurückziehen. Die Umstellung benötigt sicher ein wenig Zeit und meine Familie muss ja auch damit leben können. Für Mann und Kind gibt es eben Biofleisch. Gestern wagte ich ein Experiment. Es gab Boeuf Stroganoff, ohne Boeuf sozusagen. Das Fleisch wurde durch Soja Schnitzel ersetzt. Häm, nunja, ähm, nee, geht eigentlich nicht. Hat uns allen nicht geschmeckt, obwohl die Sauce war wie immer und auch die Champignons ihr Bestes gaben. Die Soja-Schnitzel schmeckten wie der Fettrand vom Kotelette. Da muss wohl doch ein vegetarisches Kochbuch her.
Also, wie ihr seht, tut sich was. Nur zum Ausmisten bin ich noch nicht gekommen, aber ich habe ja auch noch 40 Tage Zeit.
Alles Liebe
Balba

PS: Zur Zeit sitzen in Brüssel Politiker zusammen und beraten über ein Prüfsiegel für Fleisch. Hieran soll der Verbraucher sofort erkennen, ob ein Tier artgerecht gehalten wurde. Finde ich Super. Hoffentlich kommt das bald auf den Markt.

Montag, 22. Februar 2010

Zeiten des Aufruhrs



Als bekennender Bücherwurm habe ich immer einen kleinen Vorrat meiner Droge auf dem Sideboard liegen. Ab und an ist auch ein Klassiker darunter, wie „Zeiten des Aufruhrs“ von Richard Yates. Kaum hatte ich das Buch beendet, kam auch schon die Verfilmung im Fernsehen. Selten hat mich eine Geschichte so aufgewühlt. Amerika 1955: Ein junges Paar mit zwei Kindern gefangen in der gähnenden Eintönigkeit einer New Yorker Vorstadt. Ich konnte fast körperlich spüren wie Ambitionen und Lebensfreude erloschen. Zwar kann Frank noch etwas Abwechslung in seinem Alltag finden, da er – sozusagen aus Versehen – in seinem ungeliebten Job Kariere macht. Für April ist das Leben dagegen vorbei. Ihr Weg ist bis zum Grab vorgezeichnet: Kinder, Haushalt, Garten, bescheidene Diner- und Cocktailpartys und adrett aussehen sind ihre Pflichten. Mehr ist nicht. Kein Beruf, nicht einmal ein einfacher Aushilfsjob verkürzen ihr die Zeit. Zur Schauspielerei, ihrem Traum, fehlt ihr das Talent und andere Hobbies oder Interessen hat sie nicht.
Hier, in den Vorstädten Nordamerikas, wo Mittelstandfrauen lebendig in ihren gepflegten Häusern begraben wurden, war die Emanzipation eine lebensnotwendige Entwicklung. Aber genau wie ein Gefangener, der dreißig Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht hat und plötzlich alleine in einer fremden Welt vor dem Gefängnis steht, so hatten auch die Frauen Angst vor den Freiheiten, die sie sich über die Jahrzehnte erkämpften. Viele haben bis heute keinen Blick aus ihrem Gefängnis geworfen, das erklärt den Erfolg der Serie „Desperate Housewives“.
Liebe Frauen, genießen wir unsere Freiheit und machen wir das Beste daraus. Egal ob Kind, Karriere oder beides, uns stehen alle Möglichkeiten offen. Wer dieses Buch gelesen hat, weiß unsere Freiheit zu schätzen.
Liebe Grüße
Balba

Mittwoch, 17. Februar 2010

Fastenzeit



Meine Oma hat noch gefastet. Morgens eine Scheibe Graubrot, mit dünn Butter drauf, ohne Aufschnitt, Kaffee ohne Milch und Zucker und keine Süßigkeiten. Nicht einmal ihr geliebtes Rübenkraut. Zum Doppelkopf am Sonntagnachmittag gab‘s kein Eckes Edelkirsch. Fleisch war verboten und freitags gab es Fisch.
Dieses Jahr habe ich auch ein ganz starkes Bedürfnis zu fasten. Es reicht! Natürlich habe ich seit Sylvester nichts abgenommen. Ich bin über satt. Satt bis in die kleinste Pore. Auch schon vor Karneval, aber verstärkt an den jecken Tagen habe ich es mir wieder allzu gut gehen lassen und jetzt ist es genug. Sechs Wochen lang gibt es: Keine Süßigkeiten, Keinen Alkohol und dafür richtig viel Fisch, Gemüse, Salat und Sport. Mein liebster Mitbewohner und Ehemann sagt dazu nur: „Wenn man sich das ganze Jahr im Griff hat, muss man nicht fasten. „ Da hat er recht! Aber egal, ich hab‘ mich leider nicht im Griff, demnach muss ich ab und an darben.
Aber mein Fasten bezieht sich nicht nur auf meinen Körper. Vor ein paar Jahren las ich einen Krimi. Die Hauptperson war eine Kommissarin die eines Tages beschlossen hatte ihr Leben von allem materiellem Ballast zu befreien. Sie besaß noch genau 260 Gegenstände, darin enthalten waren die Dinge des täglichen Gebrauchs (Tassen, Teller, Zahnbürste, Staubsauger etc.), sowie ihre Kleidung, Erinnerungsstücke, Bücher und was so zu einem Leben gehört. Sie wohnte immer in möblierten Häusern und ihre Freiheit bestand darin jederzeit ihren gesamten Hausstand in ihren PKW packen zu können um sich einen neuen Platz zum Leben zu suchen. Bevor sie sich etwas Neues kaufen konnte, musste sie sich von einem Gegenstand trennen. Die eigentliche Handlung des Krimis ist mir nicht in Erinnerung geblieben, wohl aber die Geschichte der Hauptfigur. Nun sind 260 Gegenstände wirklich sehr wenig (zählt alleine mal die Gegenstände in eurer Küche durch) und soweit werde ich nie kommen, aber ich werde mehr und mehr ein großer Freund des Ausmistens. In dieser Fastenzeit werde ich demnach nicht nur meinen Körper erleichtern, sondern auch unser Haus.
Hach, ich bin voller Tatendrang und gespannt was die kommenden vierzig Tage mir bringen.
Fröhliches Fasten
balba

Samstag, 13. Februar 2010

Alaaf



Wenn man in den sechziger und siebziger Jahren in Köln-Nippes aufwächst, stellt sich die Frage ob man ein Karnevalsjeck ist, nicht. Karneval ist ein Termin wie Weihnachten und Ostern, da wird nicht dran gerüttelt. Als Kinder haben wir schon Wochen vorher an unseren Kostümen gebastelt und unsere Mamas mit Extrawünschen („Ich will eine Schreckschußpistole.“) gelöchert. Spätestens im November wusste ich was ich werden wollte und da wurde auch nicht mehr dran gerüttelt. An Weiberfastnacht ging man um acht Uhr in die Schule und um neun Uhr standen wir mit vielen anderen Nippessern auf dem Wilhelmsplatz und jubelten dem Kölner Dreigestirn zu. Denn hier wird und wurde seit je her der Kölner Karneval eröffnet. Es gab die erste Gulaschsuppe des Tages und danach zogen wir mit Trommeln, Pfeifen und allem was krach macht durch die Straßen. Als Kinder nur im Viertel und als Teenies durch die ganze Stadt. Bier und Apfelkorn kamen dazu (jaja, auch früher gab‘s schon betrunkene Jugendliche), wir waren viel zu dünn angezogen und am Aschermittwoch alle krank. Dä, so war dat.
Eigentlich habe ich Karneval nie in Frage gestellt. Ich feiere immernoch gerne, wenn die Gegebenheiten nett sind. Und nett sind sie dann, wenn ich mit lustigen Leuten, bei guter Musik und lecker Kölsch in einer nicht zu vollen Kneipe stehen, reden, tanzen, schunkeln und feiern kann.
Eine Sitte der letzten Jahre verstehe ich aber nicht. Warum stellt man sich bei minus 2 Grad, drei Stunden lang vor einer Kneipe an? Also, wenn wir in Rio wären, schön lecker warm, kühle Getränke in der Hand und Samba im Ohr, würde ich auch vor einer Kneipe warten, aber so? Was geht da ab? Würde drinnen das Paradies warten, okay. Aber was erwartet den Wartenden? Sobald man eintritt bricht man in Schweiß aus; wehmütig verabschiedet man sich von seiner Jacke, weil man nicht weiß ob man sie je wiedersieht; Ohne eigenes Dazutun wird man auf einen Platz geschoben, hofft, dass der Mann mit dem Bier bald vorbei kommt und selbiges einen nicht sofort auf die Toilette treibt. Denn dorthin zu kommen ist Schwerstarbeit, auszuhalten bis man dran ist stellt die Blase auf eine harte Probe und kommt man endlich in die Nähe seines alten Platzes, ist der süße Typ von eben schon längst verschwunden und die Freunde in alle Winde verstreut. Mit etwas Glück trifft man sie beim nächsten Toilettengang. Reden, tanzen und schunkeln ist aus Platzmangel nicht möglich. Rauchen dürfte man zwar, aber die Gefahr seine Nebenleute mit der Zigarette zu verbrennen ist ziemlich groß und Luft bekommt man auch so schon keine.
Wer erklärt mir jetzt bitte mal warum man das macht? Ich verstehe es nicht.

Gleich hat unsere Tochter ihren letzten Auftritt als Tanzmariechen in dieser Session und danach gehen wir zum Biwak der Familie Eisenmenger, lecker Kölsch im Zelt, wat zu müffele, tanzen, schunkeln und die Kinder toben um uns herum, dat ist Karneval.
Prost
balba