
Jeder hat so seine eigenen Fernsehgewohnheiten, sofern er/sie denn Fernsehen schaut. Bei uns ist es so: Egal was wir am Abend so wurschteln, spätestens um viertel vor zehn treffen mein Mann und ich uns zum Heute Journal im Zweiten.
Seit Tagen werden die Nachrichten von der fruchtbaren Katastrophe in Haiti beherrscht. Haiti, ein von der Natur beschenkter Flecken Erde, warm, fruchtbar und wunderschön und von den Menschen ausgebeutet und ausgeblutet. Schon vor dem Erdbeben war Haiti ein armes, von vielen Hungertoten gezeichnetes Land, von Potentaten gnadenlos ausgebeutet, von Weltmarktzockern, die an den Börsen dieser Welt um Grundnahrungsmittel feilschen und dabei die Preise unnötig und verantwortungslos in die Höhe treiben, in den Hunger getrieben. Diesen Tatsachen wurde wenig Beachtung geschenkt, in den Medien. Bilder einer vollkommen zerstörten Welt, einzelne Gliedmaßen die aus einer Baggerschaufelhängen, blutende Menschen, verzweifelte Kinder sind da weitaus telegener.
Ich möchte die Medien nicht dafür verurteilen dass sie Bericht erstatten. Das ist ihr Auftrag. Aber die meisten Menschen sind durchaus in der Lage die Tragik der Situation zu erfassen, ohne das in jeder Nachrichtensendung zwanzig Minuten darauf herumgeritten und jedes, aber auch jedes Bild ausgeschlachtet wird. Bestimmt gibt es auch einen kleinen Anteil an Menschen, denen diese Bilder Freude machen, da sie sie von ihrem eigenen Leid ablenken und sie sich evtl. darüber freuen, dass es anderen Menschen schlechter geht als ihnen. Die meisten Zuschauer stehen den Bildern jedoch hilflos gegenüber, denn was können wir tun außer spenden? Und mit dem Spenden ist es ja bekanntlich so eine Sache. Kommt das Geld auch an? Fließt es in die richtigen Kanäle? Besonders bei einer korrupten Regierung wie in Haiti müssen solche Fragen gestattet sein. Wäre ich Arzt oder Krankenschwester, Handwerker, Psychologe, Sanitäter oder etwas Ähnliches, könnte ich evtl. meine Hilfe anbieten, sofern ich zu Hause (ohne Kind und Hund) entbehrlich wäre. Die Gläubigen unter uns können beten, aber damit sind die Mittel des Einzelnen leider erschöpft.
Ich wünsche mir von den Medien etwas mehr Pietät. Eine ausladende Berichterstattung mit viel grausamen Bildmaterial, egal ob aus Haiti, Afghanistan, Israel oder dem Gasastreifen, bewirkt bei den meisten Zuschauern nur zwei Dinge: Entweder sie schalten ab, weil sie es nicht ertragen können, oder sie stumpfen ab und schauen bei der nächsten Katastrophe nicht mehr richtig hin.
Es ist erwiesen, das positive Gedanken zu positiven Taten führen und ein Mensch, der sich – obwohl eigentlich schlecht gelaunt – zu einem Lächeln zwingt, nach einer kurzen Weile sehr viel besser gelaunt ist. Ich bin keine Esoterikerin und möchte die Welt auch nicht rosa malen, aber ein paar wenige, positive Nachrichten pro Nachrichtensendung würden uns am Abend mit besseren Gedanken ins Bett schicken. Wäre es nicht möglich, nach den aufgezählten Schrecken des Tages ein paar aufmunternde Berichte, z.B. über Menschen mit Zivilcourage, gelungene Entwicklungshilfe oder Wiederaufforstungsprojekte im Regenwald zu berichten? Ich fände das gut.
Heute geht man ins Bett mit dem Gedanken: „Ach, ist ja wieder alles schrecklich in der Welt“, und dabei denkt man gleich noch an die ganzen eigenen Probleme. Nach ein paar positiven Nachrichten würden wir vielleicht vor dem Schlafengehen noch darüber nachdenken, wie wir selber unsere Welt ein kleines Bisschen verbesser könnten.
Schlaft gut
Euro balba
