"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Dienstag, 8. Dezember 2009

Ohrhygiene



Montag Morgen, zehn nach Acht, bei ALDI. Über Sinn und Unsinn dieser Aktion möchte ich jetzt nicht reden. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, man hat einen Teil des Wocheneinkaufs hinter sich gebracht. Leider denken mittlerweile einige Menschen so und dadurch ist die Schlange an der Kasse länger als z.B. Montag Mittag. Naja, egal.
Irgendwann stehe ich vor dem Gemüse, greife zum Kopfsalat und überlege ob nun die Biotomaten aus Israel, oder die normalen Tomaten aus Holland ökologisch wertvoller sind. Ich entscheide mich für Holland, denn Israel scheint mir doch zu weit weg, als dass die Art des Anbaus die Ökobilanz noch retten könnte.
Mir gegenüber redet eine junge, sehr hübsche Frau auf den Blumenkohl ein. Ich bin ganz kurz irritiert, weiß aber natürlich, das sie in ihr Handy spricht, was in einer Jackentasche steckt und ihr Headset unter ihrer Mütze versteckt sein muss. Okay, so ist das eben. Auch im Auto sehe ich ständig Leute, scheinbar in Selbstgespräche vertieft, wie ich selber auch, wenn ich unterwegs telefoniere. Man gewöhnt sich an den Anblick, doch an den Inhalt kann ich mich häufig noch nicht so ganz gewöhnen.
Die Hübsche redet laut, vernehmlich und seelenruhig über einen männlichen Menschen aus ihrem Dunstkreis und bereitet vor dem Menschen am anderen Ende der Leitung und vor allen Menschen im Geschäft das Liebesleben, sowie alles Stärken und Schwächen des Beschriebenen aus. Dabei sammelte sie Obst, Gemüse und allerlei Sachen ein, beachtete NIemanden um sich herum und übersieht so auch viele irritierte Blicke, z.B. wenn sie Sätze sagte wie: „Ach ja, weißt du, der war ja schon immer so, auch vor Jahren schon. Der XXX kann halt nicht dafür, er ist eben schwierig…….“.
Ich war peinlich berührt. Das will ich nicht wissen, das hat in meinem Ohr nichts zu suchen. Wir alle kennen noch den kleinen Italiener, der vor Jahren mit dem dicken Knochen am Ohr, wichtig vor seinem Geschäft hin und her stolzierte. Das war pure Angeberei, darüber konnte man schmunzeln, über detailiert ausgebreiteten Liebeskummer, über sieben Stationen in der U-Bahn nicht.
Hier geht es nicht um Angeberei, sondern um Ignoranz. Diese Ohrterroristen nehmen ihre Umwelt nur in soweit wahr, als das sie für sie selber interessant oder wichtig ist. Sie denken entweder nicht über ihre Umgebung nach, oder ignorieren sie bewusst. Ich habe keine Ahnung wie das geht, aber ich bin immer wieder überrascht wie sehr sich diese Menschen für den Mittelpunkt der Welt halten, frei nach dem Motto: „Das ist doch mein Recht“.
Am liebsten hätte ich der Hübschen auf die Schulter geklopft und ihr gesagt, dass mich ihr Gelaber nicht interessiert, aber ich habe mich natürlich nicht getraut. Bäh, Feigling. Und die Anderen haben sich auch nicht getraut. Warum eigentlich nicht?
Auf dem Heimweg kam mir dann aber doch noch ein heiterer Gedanke. Schön wäre es gewesen, wenn nicht ich, sondern die Freundin des XXX ihr auf die Schulter geklopft hätte um sie zu fragen, was sie denn da erzählt. Das wäre der Brüller gewesen. Naja, vielleicht passiert ihr das mal irgendwann, dann wäre zumindest ein Ohrverschmutzer geheilt.
Balba

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