
Vieles verbindet uns Frauen, auch der Hang längst Unbrauchbares in unseren Kleiderschränken zu horten. Vernünftige, kluge, witzige, wunderbare, aufgeräumte Frauen finden sich zuweilen in ihrem Kleiderschrank nicht mehr zurecht, weil da einfach viel zu viel hängt. Viel zu viel altes Gelump. Jawohl. Und ich trenne mich: JETZT!
Jahrelang habe ich bestimmt Kleidungsstück von links nach rechts geschoben, wovon sie weder schöner noch tragbarer wurden. Ab heute gelten für die Entsorgung von Kleidung folgende Regeln:
1. Was nicht mehr passt fliegt raus.
Seien wir ehrlich und ganz tapfer. Meine letzte erfolgreiche Diät liegt mind. sechs Jahre
zurück und seit dem ist meine Kleidergröße kontinuierlich gestiegen. Noch nie habe ich mich
in ein Kleidungsstück zurück geschrumpft. Das heißt, doch vor sechs Jahren. Die ganzen
tollen Sachen die ich alle aufbewahrt hatte und die mir dann wieder passten waren total
unmodern.
Also, was soll‘s. Was mir jetzt nicht passt, passt mir zu 99% auch nicht im nächsten Jahr und
wenn doch, mag ich es wahrscheinlich nicht mehr tragen. Mein Kleiderschrank lichtet sich
merklich.
2. Schlechte Qualität fliegt raus.
Sich knubbelnde Wollpullover, verwaschenes, gar noch mit Waschpulverresten versehenes, aus der Form gegangenes muss weg. Was nützt der gut sitzende Lieblingspulli, wenn er aus der Nähe betrachtet total ungepflegt wirkt. Einige Winterpullover werden mich heute verlassen.
3. Falsche Farben fliegen raus.
Ich habe einen Hang zu Flieder. Keine Ahnung warum, ich mag diese Farbe einfach sehr gerne, aber sie steht mir nicht. Ich sehe damit aus wie Oberschwester Hildegard in der Arktis. Ein Pulli und ein T-Shirt müssen daher gehen.
4. Was nicht zu meinem Stil passt fliegt raus.
Gut wenn man seinen eigenen Stil kennt, ich tappe da auch noch dann und wann im Dunkeln. Aber im Laufe meines Lebens hat sich herausgestellt, dass ich kein Typ für Rüschchen bin. Immer alles schön glatt und gerade. Eben gerade, klassische Schnitte, Erdfarben, Schwarz, Lila, Koralle, kein Schnickschnack, eher ein auffallendes Accessoires. Und, ja, auch nicht zu jugendlich. Ich meine, ein zu kurzes T-Shirt über einer Speckrolle sieht mit achtzehn genauso doof aus wie mit achtunddreißig, aber manches Kleidungsstück hat auch ganz klar sein zeitliches Limit, sonst macht es eher alt als das es jugendlich wirkt.
Wie allerdings dieses rosa-gerüschte T-Shirt mit kleiner Spitze meinen Schrank geraten ist, erschließt sich mir nicht. Das war ich nicht, das muss eine meiner diversen anderen Persönlichkeiten gewesen sein.
Soweit die Regeln und wisst ihr was, es fällt mir ganz leicht, so leicht wie noch nie. Ich kann es selber kaum glauben. Ein Schrank ist schon komplett aufgeräumt und fast leer und ich fühle mich befreit.
So, und nun noch ein Wort zu den Kleidungsstücken in die man wieder rein passen möchte. Die zweite Hälfte meines Lebens wird NICHT von Schönheitsdiktaturen geprägt werden. Ich steige aus. Natürlich wäre ich gerne schlank, bin ich aber nicht. Weder stopfe ich den ganzen Tag Lebensmittel in mich hinein noch sitze ich dabei unbeweglich vor der Glotze. Ich treibe regelmäßig Sport, zapple den ganzen Tag irgendwie rum, renne hierhin und dorthin und esse sehr gesund. Allerdings auch gut und gerne (und ähm, nicht wenig nehme ich an) und ich trinke gerne Wein. So ist das eben. Und seit ich nicht mehr Rauche um so mehr. Ich war nie eine Elfe und werde auch keine mehr werden. Es soll nur nicht aus dem Ruder laufen. Ich werde mein Gewicht halten und in meinem Kleiderschrank werden sich nur noch Sachen befinden, die mir wirklich passen und keine Sachen die mir evtl. mal irgendwann gepasst haben könnten, oder wieder würden und die mich dann einen ganzen Tag lang quälen und zwicken bis ich sie am Abend entnervt in die Ecke pfeffere.
Nein, nein, damit ist jetzt Schluss.
Viele Grüße
Eure Balba
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